Salziger Schulen




Am Lindplatz, das ist der heutige Bereich zwischen der Kreissparkasse, der Bäckerei Volk und dem Eissalon Toskani, stand nahe bei dem damaligen Rathaus die Salziger Schule. Im Jahre 1827 wurde die in der napoleonischen Zeit geplante und zum größten Teil fertiggestellte Heerstraße von Köln nach Mainz, auch in den Ortschaften, ausgebaut, begradigt und verbreitert. Dadurch mußten im Ortskern von Salzig einige Häuser abgerissen werden, wobei auch das Rathaus und die Schule den Straßenbauarbeiten zum Opfer fielen. Obwohl die Gemeinde eine Entschädigungssumme erhielt, war sie wegen ihrer Armut nicht in der Lage, ein neues Schulhaus zu bauen. Sie mietete daher das Haus in der Dammigstraße Nr.10 an und richtete dort einen Schulsaal und eine Lehrerwohnung ein. Es war das Haus, das nachmals von Herrn Bach, "Bismarck" genannt, bewohnt wurde, und das Haus, heute Nr. 16, das "Spitze-Änne-Haus". Es wurde später Eigentum von Herrn Jakob Bock, dann von seiner Tochter Frau Renate Bredenbach und ist heute im Besitz der Familie Eisenblätter. Der Vater meiner Schladtīs Großmutter Gertrude, der alte Wagnermeister Johann Bock, geb. am 11.3.1818 und gest. am 21.12.1887, besuchte noch diese Schule. Der Lehrer war Franz Anton Langer. Der Eingang zu diesem "Schulgebäude" war damals durch die, noch heute bestehende, unscheinbare Pforte zwischen dem Haus Franz Neyer und dem Haus Johann Bach / Trillhase (Apollone ) in der Dammigstraße.

Alte Schule. Blick aus der RömerstraßeDieses angemietete Haus wurde 1838 aufgegeben, weil die Anzahl der Kinder auf 190 angestiegen war. Der damalige Schulinspektor, Dechant Dr. Schreiner aus Beulich, schrieb in seinem Bericht an die Regierung: " Das Schulzimmer in Salzig befindet sich in elendigem Zustand, ist viel zu klein und ganz niedrig. Der klägliche Aufenthalt der Kinder ist nicht anzusehen. Ein neuer Schulbau ist nötig". Aber wegen fehlender Geldmittel und weil die Gemeinde keinen eigenen Bauplatz hatte, konnte dieses Vorhaben erst nach langem Hin und Her ins Auge gefaßt werden. Nachdem die Stadt Boppard ein Darlehen und die Regierung einen größeren Zuschuß gewährt hatten, wurde dann auf dem "Klonkert" im Pfarrgarten eine zweigeschossige Schule aus Bruchsteinmauerwerk mit zwei geräumigen Klassenzimmern gebaut. Die große Zahl der Kinder - 130 Jungen und 120 Mädchen - hätten schon damals den Bau weiterer Schulräume nötig gemacht. Aber erst im Jahre 1871 richtete die Gemeinde im Sitzungssaal des Gemeinderates, der über dem Spritzenhaus war, einen dritten Klassenraum ein, die sogenannte "Eierkiste". Die drei Klassen zählten 86, 81 und 100 Schülerinnen und Schüler. Als in den folgenden Jahren die Kinderzahl immer mehr anstieg, wurde 1899 neben der bisherigen eine neue Schule erbaut, ein schönes Fachwerkhaus mit zwei großen Schulsälen und zwei schönen Lehrerwohnungen. Auf dem Dach hatte es ein Türmchen mit einem Schulglöckchen, das zum Beginn des Unterrichts und zu den Pausen geläutet wurde. Diese Gebäude dienten noch bis 1963 den Salziger Kindern als Schule. Nachdem 1921 und 1935 wegen der steigenden Schülerzahl zwei neue Lehrerstellen eingerichtet wurden, mußte man eine weitere Schule bauen. Die Gemeinde errichtete in der heutigen Witbergerstraße ein anderthalbstöckiges Gebäude für die älteren Mädchen und Jungen. Heute ist in diesem Haus der Kindergarten untergebracht. Im Jahre 1963 wurden dann "Nägel mit Köpfen" gemacht. Auf Initiative des damaligen Bürgermeisters Becker und mit großzügiger Hilfe des Landes Rheinland-Pfalz hat man die heutige moderne und schöne Schule erbaut.

Alte Salziger Schule (1905)

Zurück nun zu unserer alten Schule in der Dammigstraße: Das Schulhaus wurde an die beiden oben erwähnten Familien verkauft, die es sich teilten und es zu zwei Häusern machten. Diese Familien wohnten teils übereinander, teils mit Zimmern ins andere Haus vorspringend, jedoch durch Zumauern der Türen von einander getrennt. Der alte Herr "Bismark", den ich oben zitiert habe, war ein frommer "kleiner" Bauersmann und war "Sendschöffe" = Synodal. Die Sendschöffen übten einst die Gerichtsbarkeit über Laien und Geistliche aus. Er hatte mit den anderen Synodalen einen besonderen Platz in der Salziger Kirche. Sie knieten oder saßen links vom Hochaltar in besonderen Stühlen. In der Zeit als wir zur Schule gingen, waren die Schöffen in ihrem Sendschöffengestühl wohl nur noch dekorativer Natur.

Ich möchte noch darauf hinweisen ,daß unsere schöne alte Fachwerkschule auf dem "Klonkert" leider abgerissen wurde und einem, für meine Begriffe nicht besonders schönen, Betonbau weichen mußte. In diesem Gebäude sind das Ortsgemeindeamt, und das Fremdenverkehrsbüro untergebracht. Im Nebenbau stehen die Einsatzfahrzeuge der Freiwilligen Feuerwehr und darüber liegt der Gemeindesaal. Glücklicherweise ist noch ein sehr schönes Bild von dieser alten Schule, in der meine sechs Geschwister und auch ich viele Jahre "die Schulbänke drückten" und in der meine Ehefrau Hildegard Schladt ab Juni 1955 als Lehrerin tätig war, erhalten geblieben. Eine Kopie davon, es ist eine Federzeichnung nach einer Photographie aus dem Jahre 1905, hängt bei uns zu Hause und unsere Kinder und Enkel fragen mich, warum man so etwas abgerissen hat..




Albert Schladt
im Februar 1999
Mit verwendet habe ich Notizen und Erinnerungen meines Bruders Michael Schladt


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