Salzig


Der Ort Salzig kommt in einem Diplom des Erzbischofs Hermann I. von Cöln vom 11. August 922 vor, in welchem dieser die Besitzungen des Klosters der 11 000 Jungfrauen und unter diesen einen Morgen Wald zu S a l z a c h e bestätigt
Wann auch aus dem Schenkungsakt des Kaisers Otto III. vom 13. September 991 nur im allgemeinen die zur Bopparder Pfarrkirche gehörenden Kapellen und Zehnten dem St. Martinsstift zu Worms verliehen werden, so ersehen wir doch aus der Bestätigungsurkunde des Erzbischofs Heinrich von Trier vom 7. Januar 1294, daß darunter auch die Kapelle und der Zehnte von Salzege zu verstehen sei; diese kommen mit der Pfarrkirche von Boppard an das Wormser Martinsstift, und zwar zunächst an den dortigen Propst. Am 27. März 1241 gab dann Propst Nybelung den Zehnten von Salzege an das Stiftskapitel zu Worms zur Verbesserung der Präbenden daselbst ab, was das Wormser Domkapitel vom 6. März 1241 und Erzbischof Heinrich am 12. Juni 1275 anerkannten.
Ein Priester von Salzhe kommt bereits im Jahre 1248 als Zeuge vor.
In der Kapelle zu Salzge wurde 1466 ein neuer Marienaltar errichtet. Nachdem die Propstei 1521 den erzbischöflichen Tafelgütern einverleibt war, erfolgten auch die Ernennungen für die Kapelle s. Aegidii in Salzig durch den Erzbischof von Trier. So am 21. Mai 1550.
Von Bedeutung für Salzig war die Verordnung des Erzbischofs Johann vom 23. März 1563, wodurch diesem Orte wegen der weiten Entfernung von Boppard gestattet wurde, in der Kirche zu Salzig einen Taufstein aufzustellen. Damit stand die Erhebung zur Pfarrei in naher Aussicht. Wann diese wirklich eingetreten ist. läßt sich nicht ermitteln.
In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts erwarben sich zwei junge Männer aus Salzig auf der Universität zu Erfurt akademische Grade, und zwar 1466 Peter Moßkopp den eines Magisters und 1468 Johann Stephani den eines Bakkalaureus. Das Bakkalaureat war die unterste Stufe der akademischen Würde, die jedoch zu Vorlesungen berechtigte.
Nach den Visitationsakten von 1657 war die Pfarrkirche dem hl. Aegidius geweiht. Der Pfarrer bezog aus der Kirche 1 Malter Korn, von der Gemeinde 12 Florin, von dem Kapitel in Worms als Zehntherr 2,5 Ohm Wein, aus jedem Hause 2 Sester Frucht. Zwei Weinberge trugen ein Fuder ein. Aus Weiler hatte er l Malter Korn, 35 Florin und 18 Bündel Heu. Ein Schulgebäude fehlte, der Unterricht wurde im Sommer wie im Winter erteilt.
Die Zahl der Kommunikanten betrug 400.
Die alte gotische Kirche war schon 1710 zu klein. Sie ist in den Jahren 1899 bis 1901 erweitert worden.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts standen an dem durch Salzig fließenden Bache 4 Mühlen, welche Privateigentümern gehörten. Von jeder mußte ein halb Malter Korn jährlich für Wasserlauf in die kurfürstliche Kellerei in Boppard entrichtet werden. Die drei nächst am Ort liegenden Mühlen hatten auch Oelmühlen.

Gegen 1790 waren in Salzig adelige Familien, geistliche Stifte und Klöster in der Gemarkung begütert wie folgt:
1. die kurfürstliche Hofkammer an Weinbergen erster Klasse 33877, zweiter Klasse 15552, zusammen 49426 Stöcke;
2. Karmeliterkonvent in Boppard erster Klasse 5071, zweiter Klasse 6035, dritter Klasse 7005, zusammen 18111 Stöck;
3. das Augustinerinnenkloster zu Camp Feldland 38 Ruten, Wiesen 3 Morgen, Heideland 77 Ruten;
4. das Franziskanerinnenkloster St. Martin in Boppard Weinberge 6021 Stock, Wiesen 1,5 Morgen, Heideland 58 Ruten;
5. das adelige Frauenkloster Marienberg Weinberge 6155 Stöcke, Wiesen 2 Morgen 94 Ruten;
6. Pastorat Boppard 4936 Stöck;
7. Pastorat Salzig 16663 Stöck, Wiesen 1 Morgen 27 Ruten;
8. Propstei Hirzenach 1054 Stöck;
9. Freiherr von Boos 4298 Stöck;
10. Freiherr von Bürresheim 4653 Stöck;
11. Freiherr von Clooth 1643 Stöck;
12. Freiherr von Eltz-Öttingen 8385 Stöck, Wiesen 95 Ruten, Feld 45 Ruten;
13. Freiherr von Stein 1736 Stock;
14. Deutschordenskomthurei Coblenz 12577 Stöck, Wiesen 35 Ruten;
15. Hospital Boppard 31736 Stöck;
16.Heilige Geist Bruderschaft 737 Stöck, Feld 42 Ruten;
17.Landgraf von Hessen-Darmstadt 13167 Stöck. Summe der Weinstöcke der Fremden 166 501. Die Gesamtzahl der Weinstöcke betrug 466309.

Das Kollegialstift St. Martin in Worms besaß ein Haus, den großen Wein- und Fruchtzehnten, dann den kleinen Hülsenfrüchtezehnten. Das Stift zu Worms gab dem Pfarrer 3 Säcke Besoldungskorn und 2,5 Ohm Wein.
Die Salziger Gemarkung ist nicht groß; Waldungen hat die Gemeinde nicht. Aber in der Gemarkung stehen sehr viele Kirschbäume, die bei der durch die umliegenden Berge von allen Seiten geschützte Lage durchweg reichen Ertrag liefern. In mittleren Jahren löst Salzig gegen 60.000 Mk aus den Kirschen.
In dem Filialorte Weiler hat früher eine Burg gestanden, die Kleeburg. Eine Sage erzählt, ein Kaiser Otto aus Sachsen habe auf der Kleeburg öfters Hoflager gehalten und seine Gemahlin sei einmal dort entbunden worden.
Die Kleeburg ist vermutlich der Stammsitz einer Familie, aus welcher 1315 Johann von Wilre, der edele Knecht vorkommt. Die Familie kommt auch 1332 und 1399 in Urkunden vor.

Pfarrer von Salzig, 1458 Nikolaus; 1515 Matthias Langbör; 1537 Peter Bönnen; 1550 Johann Post; 1550 Johann Hackel; 1568 Hieronimus Titelkuhn; 1627 Johann Rhein; 1630 Thomas Lozsius; 1657 Peter Hellen; 1674 Johann Christian Maringer; 1681 Arnold Carnoth; 1685 Peter Jakob de Romanis; 1687 Peter Ellinger; 1691 Peter Haus; 1698 Johann Linius; 1707 Johann Hegener; 1708 Peter Bech; 1719 Johann Kratz; 1750 Philipp Kray; 1787 Johann Gerhard Hägg; 1829 Anton Cordel; 1831-Simon Winter; 1843 Peter Donatus Wagner; 1850 Franz Joseph Gerz; 1856 Eduard Schmidt; 1857 Christian Profittlich; 1860 Dr. Joseph Hermann; 1868 Johann Nick; Rahm 1904.

In einem Berichte des letzten Amtsverwalters Knoodt in Boppard an den Kurfürsten von Trier aus dem Jahre 1784 heißt es: „In Salzig ist eine Salzquelle. Diese ist mit Steinen aber schlecht eingefaßt und wird zum Trinkwasser mit guter Wirkung benutzt." Die Einfassung bestand aus rotem Sandstein. Das Wasser war mit Süßwasser vermischt, schmeckte aber rech salzig. Der Zugang zu dem Behälter war wegen der Versumpfung des umliegenden Geländes immer naß.
Um die Quelle für Heilzwecke nutzbar zu machen, hatte der Kreisphysikus Dr. Heusner in Boppard im Jahre 1840 der Gemeinde Salzig für die Abtretung der Quelle angeboten, ihre Gemeindeschulden, die sich damals auf 400 Taler beliefen, zu bezahlen. Das Vorhaben scheiterte an dem Widerstande einiger Gemeinderatsmitglieder, welche sich der Hoffnung hingaben, durch Hinhalten mehr zu erzielen. Die Folge war, daß die Angelegenheit 40 Jahre schlummerte. Erst im Jahre 1880 wurde der Plan wieder aufgenommen durch den Eisenbahn-Betriebskontrolleur Ottersky, welcher in Verbindung mit andern zur Erwerbung umliegender Grundstücke schritt, die Versumpfung um den Sandsteinbehälter beseitigte und durch Anlegung eines Stollens die eigentliche Salzquelle aufsuchen wollte, in der ausgesprochenen Absicht, ein Bad zu gründen. Das Unternehmen geriet aber ins Stocken, bis Hauptmann a. D. Hoffmann den Plan wieder aufgriff, den bereits vorhandenen Bestand zu den Badeanlagen im Jahre 1889 käuflich erwarb und 14 Jahre lang unter vieler Mühe und den schwierigsten Verhältnissen einige 100 Parzellen im Salzborntale ankaufte und dadurch das Gelände zu den jetzigen ausgedehnten Badeanlagen schaffte.
Im Jahre 1901 wurde auf Grund eines Gutachtens des Geheimen Oberbergrates Professor Dr. Lepsius aus Darmstadt mit der Bohrung der jetzigen Quelle I begonnen. Die Bohrung fand etwa 30 m von dem früheren Born entfernt statt. Im folgenden Jahre glückte es tatsächlich in einer Tiefe von 281 m eine Quelle zu erhalten, aus der jetzt täglich 35000 Liter Wasser hervorsprudeln, das an der Oberfläche 18 Grad Wärme hat. ..
Um noch wärmeres und vor allein reichlicheres Wasser' für eine Badeanlage zu erhalten, wurde im Jahre 1900 nach Anleitung des Herrn Geheimen Bergrates Lepsius etwa 30 m von der ersten angebohrten Quelle entfernt eine zweite Bohrung in Angriff genommen, bei deren Ausführung durch Nachfallen von Erdmassen große Schwierigkeiten entstanden. Trotzdem ist die Bohrung bis auf eine Tiefe von 449 m fortgesetzt worden, also fast so tief wie die in der Nähe liegende Fleckertshöhe hoch ist und dreimal so tief als die Cölner Domtürme sich gegen Himmel erheben.
Die Entwickelung der Kohlensäure dieser II. Quelle war so stark, daß das Wasser aus der Rohrmündung als Sprudel in die Luft geschleudert wurde. Die Quelle liefert täglich 260.000 Liter und zeigt beim Ausfluß 28 Grad Wärme und in der Tiefe 38 Grad.
Das Wasser zeichnet sich aus durch hohen Gehalt an doppelt kohlensaurem Natron und Kochsalz. Ein Vergleich mit andern Quellen mit ähnlicher Zusammensetzung liefert nach dem Urteile von Fachgelehrten den Beweis, daß die Salziger Quellen als Heilquellen ersten Ranges eine Rolle zu spielen berufen sind.
Bade- und Trinkkuren sind geeignet bei Erkrankung der Atmungsorgane, bei Katarrhen des Rachens, der Nase, des Kehlkopfes und der Luftröhre, bei Asthma, bei Erkrankungen und Störungen des Magens und Darmes, bei übermäßiger Säurebildung, ferner bei Erkrankungen der Blase und bei Harngries, bei Gallensteinen, ganz besonders aber bei G i c h t und R h e u m a t i s m u s.
Die in der kurzen Zeit des Bestehens des neuen Bades bereits erzielten überaus glücklichen Erfolge haben gezeigt, welche Heilkraft den Salziger Quellen Dank ihrer günstigen Zusammensetzung innewohnt.
Das ganze Bad mit seinen Anlagen befindet sich jetzt in den Händen einer Gewerkschaft. Sie hat das Badegelände, das einen Flächeninhalt von 80 Morgen hat, mit schönen Anlagen prächtig ausgebaut, breite bequeme Wege zu demselben und in demselben angelegt, ein prächtiges Kurhotel gebaut, Badeanlagen, in denen täglich über 200 Bäder genommen werden können, hergestellt und überhaupt dem Ganzen eine Einrichtung gegeben, in der Badegäste wohl und behaglich fühlen können. Die schöne von allen Seilen durch Berge geschützte Lage des Salzborntales, die Stille der Umgebung sind wohl geeignet als Heilfaktoren des Bades Salzig mitzuwirken.


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