Ein historischer Fund in Bad Salzig

Beim Auswerfen eines Grabens an der neuen B9, dort, wo gegenüber dem Kloster Bornhofen das Heiligenhäuschen stand, stießen die Gemeindearbeiter auf ein Wasserleitungsrohr aus hellem Ton, das mit einer Schieferplatte abgedeckt war. Nachdem Herr Bürgermeister Kamp die zuständige Behörde in Mainz benachrichtigt hatte, erschienen zwei Herren des staatlichen Amtes für Vor- und Frühgeschichte in Koblenz zur Untersuchung des Fundes.
Nach ihrer Ansicht stammen die Leitungsrohre aus dem späten Mittelalter. Zur näheren Untersuchung nahmen sie ein Rohrstück mit. Die Rohre sind ca. 90 cm lang und verjüngen sich von einem lichten Durchmesser von 7 auf 4 cm, so dass sie ineinandergeschoben werden können.
Dieser Fund bestätigt die in Bad Salzig bestehende Überlieferung von einer Wasserleitung, die von Pastors Börnchen nach dem Rhein geführt haben soll und von der man früher Teilstücke gefunden hatte. Es drängt sich die Frage auf, zu welchem Zweck das Wasser von der heute noch ergiebigen Quelle nach dem Rhein geführt wurde, die damals weit vom Ort entfernt lag. Auch dafür weiß die Volksmeinung eine Begründung. Sie behauptet, dass sich einst ein Kloster erhoben habe an der Stelle, wo später das Heiligenhäuschen stand. Diese Ansicht ist aber weder durch Bodenfunde noch durch schriftliche Unterlagen bewiesen worden. Die Tatsache, dass die Röhrenleitung unter dem Gewölbe endete, über dem das Heiligenhäuschen aufgebaut war, spricht dafür, dass von unseren Vorfahren das so unverhofft aus dem Boden quellende Wasser als ein Wunderwasser betrachtet wurde, das sie in sorgfältiger, langwieriger Arbeit zu dem viel begangenen Leinpfad leiteten. Es sei daran erinnert, dass auch in Trechtingshausen und Basselscheid Heiligenhäuschen sich über solchen Wunderbornen erhoben. Für die oben ausgesprochene Deutung spricht auchfolgende Bemerkung des Verfassers Stramberg des Rheinischen Antiquarius:"Von Boppard aus führt die Rheinstraße an dem Klösterchen St. Martin vorbei, stets den Rhein zur Seite, erstlich nach dem Heiligenhäuschen von Salzig, von dem man vordem Wunderdinge die Menge erzählen hörte."
Es ist fraglich, ob andere Funde einmal Klarheit über den Zweck der Wasserleitung bringen.


dieser Artikel von Heinrich Stein Rektor i.R. erschien im September 1967 in der Bad Salziger Wochenzeitung




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